am strand

ratur aquarell

die luft begann, salzig zu schmecken. mit der zunehmenden kraft der aufsteigenden sonne hatte der wind gedreht und wehte von see aus landeinwärts. ratur erinnerte das lächeln, das ihn umspielt hatte wie dieser auflandige wind, um sich sogleich mit dem wässrigen blau der augen darin zu verlieren, haltlos, irgendwo hinter dem deich.

am deich angekommen lehnte ratur lite sein rad an einen zaunpfahl, schwang sich über den knotengitterdraht und lief den deich hinauf. schafe lagen im windschatten des deiches und käuten wieder. vor dem deich erstreckte sich der sandige strand, an dem ratur noch gestern gestanden und seine zehen in den sand gegraben hatte. ratur zog seine sandalen aus, stellte sie sorgsam ab und lief den strand hinab.

ebbe. das meer hatte sich zurückgezogen. irgendwo fern am horizont reflektierte es das licht der immer höher steigenden sonne. sonne. ratur griff sich aus dem sand einen vom salzwasser ergrauten zweig, steckte ihn in den sand und markierte die spur, die sein schatten auf den sand warf.

herr, es ist zeit. der sommer war sehr groß …

nach dem mond gehen. auch des tags. am ufersaum hatte die weichende flut ein dünnes band zerbrochener schneckenhäuschen zurückgelassen. ratur zog aus seiner hosentasche das eine, das ihm vom gestrigen tag geblieben war, und legte es behutsam zu den anderen. wenige schritte weiter schon im blick zurück nicht mehr auszumachen, wusste er es dort liegen und seine geschichte erzählt. nicht zu ende erzählt. warten … auf flut. warten?

ebbe ist …

ebbe ist mehr als die abwesenheit von flut. mehr als das fehlen von wasser, mehr als die tatsache, dass das, was in unseren augen das meer ausmacht, zur anderen seite der erde hin gezogen wurde. an einem anderen ort ist, fern. während ebbe von wasser reden ist eimerweise, ebbe fluten wollen hybris, bei ebbe auf flut warten missachtung. ebbe erklärt man nicht mit worten aus wasser. nicht: ebbe ist … – ebbe sein lassen. ebbe. ebbe halten. ebbe hören. ebbe zuhören. ebbe aushalten. ebbe ist ebbe. da geht der mutige hinaus auf den meeresgrund, so weit, wie das herz trägt.

bedächtigen schrittes lief ratur los und ließ das grün des deichs weit hinter sich.

nur diese

bild zu text von hans jürgen hilbig

als ich anfing
dich
von meinem schatten
zu entfernen
als du sagtest
der fremde heißt klaus
er hat eine antenne
mit der kann er selbst
das radioprogramm auf dem mond
empfangen
ich dachte
so weit kommen sie
um ihr ihren schatten zu bringen
sie lauscht ihren ohren
sie erkennt die vergessenen sätze
darin
was kommt als nächstes frage ich sie
welcher planet ist vor dir sicher
sie lächelt und sagt
aber der mond ist doch kein planet

zuhause

graphic novel von katharina vasces und dem kobboi - fornaes fyr

jetzt sind sie wieder zuhause, der alltag beginnt. die besucher werden bald kommen.